Surfen in Peniche – Materialverlust und andere Pannen

Lange haben wir überlegt, ob wir tatsächlich nach Peniche fahren sollen. Zu volle Line-ups, die höchste Dichte an Surfschulen und alles zentriert sich irgendwie auf diese zwei Buchten, nördlich und südlich von Baleal. 

Gleich nach dem Frühstück am ersten Tag machen wir uns auf den Weg und fahren direkt an den Hotspot von Baleal. Wir wundern uns, es ist gar nicht so viel los wie erwartet. Kurz überlegen wir, ob wir trotzdem reingehen sollen. In Ecken wie diesen bedeutet es meist, dass irgendwas nicht stimmt, sonst ist hier einfach IMMER jemand im Wasser. Und ausnahmsweise spreche ich mal nicht von den großen hungrigen Fischen, sondern einfach nur den Wellen. Wir wollen es trotzdem versuchen und gehen rein. Es bricht einfach nicht. Wir paddeln immer weiter raus, aber die Welle bricht einfach nur an und rutscht dann unter uns durch. Das wird nichts. Ich überzeuge Rainer, dass wir es in der Nachbarbucht versuchen. Der Vorteil – man kann einfach schnell rüberlaufen. Hier ist es auch nicht viel besser. Die Wellen sind super soft und nach und nach füllt sich das Lineup. Irgendwann geben wir auf und treten den Rückzug an. Kein guter Start. 

Am Nachmittag probieren wir unser Glück am Praia de Cima oder Cerro … bis heute weiß ich nicht, wann man sich am Cima und wann man sich am Cerro bezeichnet. Wie auch immer, wir sind am anderen Ende der Bucht von Peniche und finden etwas bessere Bedingungen vor. Immerhin kann ich am Ende des Tages eine Welle auf mein Surfkonto schreiben. Keine gute Bilanz, wenn man doch langsam vom Surfpool etwas verwöhnt ist mit 12 Wellen pro Stunde. Natürlich kann man es nicht vergleichen, denn der Pool kann nicht das Erlebnis in der Natur ersetzen. Der Trainingseffekt ist dennoch extrem gut. 

Den restlichen Urlaub verbringen wir eigentlich nur noch am Cima / Cerro, mal etwas näher Richtung Fischfabrik und mal ein paar Meter in die andere Richtung. Je nach Wellensituation wandern wir den Strand entlang, aber unser Radius ist erstaunlich klein. Wenn ich ein Fazit ziehen müsste und so in meine Notizen, genannt Surftagebuch, schaue, dann ist die Ausbeute nicht besonders groß, vor allem wenn ich es in Relation zu den Verlusten stelle. Wir haben zwar viel Zeit im Wasser verbracht, aber die Anzahl der Wellen war durchaus überschaubar. Die paar Wellen haben mich am Ende zwei Finnen gekostet. Die erste hab ich bei einem Surf verloren, wo ich ohnehin nicht viel gerissen hab. Wenn ich mich richtig erinnere, hab ich sie irgendwie in den Sand gerammt und dann war sie auch schon weg. Schnell zurück zum Auto und die Ersatzfinne geholt. Ich musste fast sogar darüber schmunzeln, weil wir seit Jahren Ersatzfinnen mit uns rumschleppen, da Rainer immer behauptet hat, dass man ja mal eine Finne verlieren kann. Jedes Mal dachte ich, das ist unnötiges Gepäck. Aber jetzt war es tatsächlich passiert. Naja, Finne getauscht, ärgerlich, aber weiter geht’s. 

Die zweite hab ich bei einem Morgensurf verloren. Da sind wir extra früh aufgestanden, weil ordentlich Wind vorhergesagt war und dieser über den Tag in der Regel zunimmt, wir wollten zumindest noch die etwas windstillere Zeit am Morgen abpassen. Es war ar***kalt, ich hab mega gefroren, so dass meine Fersen schon ganz taub waren und dann verliere ich bei einer blöden Situation, wo ich das Brett wegschmeißen „musste“ und einmal durchgewaschen wurde die nächste Finne. Diese Aktion war fast noch ärgerlicher als die erste Finne. 

Mit den Morgensurfs hatte ich dieses Mal ohnehin wenig Glück und meine Pechsträhne mit dem Material ging weiter. An einem anderen Morgen, ähnliche Ausgangssituation: Regen, kalt, windig, der Anzug komplett durchnässt, weil er über Nacht auf der Terrasse im Regen hing. Ich will mich beeilen und mich schnell in den Anzug pellen, dabei ziehe ich einmal an der falschen Stelle mit meinem Daumen und der Nagel reißt ein schönes Loch rein. Ganz toll, genau wie die Finnen war der Anzug noch relativ neu. Ich versuche, den Ärger runterzuschlucken und für den anstehenden Surf nicht darüber nachzudenken. Trotzdem fachsimpeln wir schon, was jetzt die beste Lösung für diese Miesere ist. Rainer hat natürlich die teuerste Idee – „am besten kaufst du dir erst mal einen neuen Anzug und dann reparieren wir diesen in Ruhe, wenn wir in München sind“. 

Der Gedanke ist nachvollziehbar, wenn man weiß, dass ein Neopren komplett durchgetrocknet sein muss, damit man ihn mit einem speziellen Neoprenkleber wieder zusammenkleben kann. Der zweite Gedanke dahinter – wir haben keine Zeit, den Anzug 24 h und nach dem Kleben nochmal 12 h trocknen zu lassen. Ok, Zeit schon, aber keine Lust. Schließlich sind wir zum Surfen da. Man muss jeden Tag nutzen, wer weiß, ob es morgen noch Wellen gibt. 

Trotzdem bin ich nicht überzeugt, denn ein neuer Anzug kostet halt gleich mal wieder ein paar hundert Euro. Das muss auch so gehen. Also fahren wir nach dem Frühstück in den Rip Curl Shop und ich frage nach einem Neoprenkleber. Der Verkäufer erklärt mir, was ich schon weiß. Man muss den Anzug komplett säubern und dann trocknen, sonst wird das nix. Doch ich habe einen Plan. Zurück in der Unterkunft reinige ich erst mal die eingerissene Stelle und dann setze ich mich mit Anzug auf die Holzplattform oberhalb des Strandes in die Sonne. Eigentlich nicht zu empfehlen, weil direkte und lange Sonneneinstrahlung nicht gut für das Neopren ist. Man muss Opfer bringen, denke ich. Und so verbringe ich den Nachmittag auf der Holzplattform und wende den Anzug bis die Stelle komplett durchgetrocknet ist. Irgendwann beschließe ich „good enough“, jetzt kann der Kleber drauf und wackele zurück ins Apartment. Ich folge den restlichen Anweisungen und mein Plan geht auf. Die Stelle ist fast perfekt repariert und vor allem dicht. Am nächsten Morgen ist der Anzug wieder einsatzbereit.

Die Lage mit den Finnen war nicht so günstig wie der Anzug. Nachdem ich meine Ersatzfinne auch verloren hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als neue zu kaufen. Blöderweise ist mir nämlich zweimal auf der gleichen Seite die Finne rausgebrochen. Auch Finnen sind kein Schnäppchen. Ein neuer Satz kostet irgendwas zwischen 120 und 160 EUR, je nach Modell. Wir fahren zum Fatum-Shop, wo ich vor ein paar Jahren mein Brett bestellt hatte. Ein mehr oder weniger glücklicher Zufall. Meine Hoffnung ist, dass ich vielleicht eine einzelne Finne kaufen kann. Online ist das möglich, doch leider nicht im Shop. Irgendwie nachvollziehbar. Zähneknirschend kaufe ich einen neuen Satz Finnen. Morgen soll es gute Bedingungen geben, das will ich nicht verpassen und es liegen immer noch ein paar Tage vor uns. Die Ironie der Geschichte, wir waren danach nur noch einmal surfen, dann ging leider nichts mehr. 

Man würde denken, das ist eigentlich genug an Drama, aber einen hab ich noch. Bei unserem besagten letzten Surf hab ich das Gefühl, dass ich Sand im Auge habe. Ich versuche es rauszureiben und mache es damit nur noch schlimmer. Mein Auge wird rot, juckt und brennt. Ich versuche alles intensiv auszuspülen, nehme Augentropfen, aber das kratzige Gefühl bleibt erst mal. Es erinnert mich stark an eine Situation, wo ich am Morgen nach dem Beachvolleyball ein ähnliches Störgefühl im Auge hatte, da bin ich dann irgendwann zur Augenärztin und die hat tatsächlich ein kleines Sandkorn rausgefischt. Das ist dieses Mal keine Option, somit doktere ich selbst dran rum. Bis heute bin ich nicht sicher, ob es wirklich Sand war und eine angehende Entzündung von zu viel Sonne und Salzwasser. Die Augensalbe von Bepanthen hat mich allerdings gerettet und kurz vor Abflug hatte sich mein Auge beruhigt.  

Jetzt könnte man meinen, dass bei all diesen Pannen und kleinen Dramen der Surftrip in keiner guten Erinnerung geblieben ist, aber ich fand es trotz all dieser Unannehmlichkeiten richtig schön, auch wenn wir beide am Ende des Urlaubs etwas lädiert waren. 

Surftagebuch Notizen (Quote: 10 von 16 Tagen)

  • Surf Peniche – Morgen und Nachmittag, nur 1 Welle am Nachmittag 
  • Surf Cima – groß, 2. Session Nachmittag 
  • Surf Cima – 2h (ohne Kommentar, keine Ahnung ob es gut oder schlecht war :-D) 
  • Surf Cerro – Beste Ausbeute 2h
  • Surf Cerro – 1.5h wild und verblasen. 2-3 Wellen 
  • Surf Cerro – 2h Kampf mit 7s period und viel onshore. Trotzdem ein paar Wellen 
  • Surf Cerro – 2h 7s swell. Kaum Power. Paar Schwabbler
  • Surf Cerro – 1.5h. Viel Offshore. 3 Wellen. Dann wurde es zu starker Wind
  • Surf Cerro – 1.5h Früh. Keine Welle. Schon wieder Finne verloren. Arschkalt 
  • Surf Cerro – 1.5h ein paar Schieber. Frühsurf

Spot Checks

Natürlich haben wir auch ein paar andere Surfspots ausgecheckt, wobei meistens schon vorher klar war, dass da nicht viel zu holen sein wird. 

Supertubos, wo auch der Contest der WSL stattfindet, ist ohnehin über meinem Level, aber Wellen liefen auch nicht. 

Dann hab ich noch ein paar gute Beiträge oder Empfehlungen zu Praia da Almagreira gelesen, aber vor Ort hat es mich nicht so richtig überzeugt. Wahrscheinlich müssen wir ihm irgendwann nochmal eine zweite Chance geben. 

Der nächste Strand liegt etwas südlich von Consolação, aber auch hier war nicht wirklich was für uns zu holen. Wer weiß vielleicht bei anderem Wetter und anderen Swell-Bedingungen. Ich schätze, wir kommen wieder. 

Einer unserer letzten Surfspot-Erkundungstouren führt teilweise über Schotterwege, wobei man dann plötzlich in einer Villengegend landet. Ganz verrückte Ecke. Wir parken bei Vale de Janelas. Es ist ziemlich ausgestorben, nur ein paar Campingbusse und drumherum Luxus-Urlaubsanlagen. Wo wir schon mal hier sind, gehen wir zumindest zum Strand. Rainer hat ein neues Hobby für sich entdeckt und sucht sich einen Wander-Schreib-Stock, auch genannt „Mont Blanc“, ob so der Name für den berühmten Stift entstanden ist? Man weiß es nicht. 

Wir laufen etwas rum und kehren dann zum Auto zurück und sinnieren darüber, ob hier wohl Autos aufgebrochen werden. Rainers Kommentar dazu:

Vielleicht haben sie uns jetzt das Auto aufgebrochen und einen Champagner reingelegt.“

Ich muss zugeben, ich habe mir nur das Zitat notiert und mich nachher gewundert, aus welchem Gespräch es wohl stammen könnte. 😀 Rainer hat sich dann aber an diesen seltsamen Strand erinnert. 

So geht ein weiterer Surftrip nach Portugal zu Ende. Es ist unnötig damit abzuschließen, dass es nicht unser Letzter war. 😉

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