Neues entdecken und spannende Landschaften erkunden, deswegen wollten wir nach Cornwall reisen und nicht wie sonst auf die iberische Halbinsel. Natürlich hätten wir uns gewünscht, mehr Surftage zu bekommen, aber immerhin konnten wir die Zeit, in der es entweder zu stürmisch und wild oder zu klein war für Erkundungstouren, nutzen.
Das Autofahren teilen wir auf, sodass sich jeder mal durch den englischen Verkehr und durch die engen Gassen kämpfen muss. Wir sind da zwar schon ein eingespieltes Team, aber als Beifahrer haben wir beide so unsere Macken und Aussetzer. Manchmal kommt man einfach nicht umhin, einen Kommentar abzugeben. Als wir nach einiger Zeit mal wieder die Rollen getauscht hatten und Rainer auf dem Beifahrersitz Platz nahm, kam auch er in den Genuss der anderen Perspektive auf die engen Gassen. Manchmal wirkt es auf dieser Seite noch mehr so, als würde man den LKW gleich rammen, der uns entgegenkommt. Ich verstehe seine Lage und kommentiere das Ganze nur mit:
„Als Beifahrer muss man einiges aushalten“
Kleine Randnotiz: Es ist komisch, sich selbst zu zitieren, aber nach diesem Satz meinte Rainer, dass ich mich jetzt mal selbst auf meinem Blog zitieren könnte. Also habe ich es brav notiert und verwertet. 😀
Aber weil Zitate so schön sind, schiebe ich dann gleich noch eins von Rainer hinterher…
Wir entdecken Zimtschnecken bei Lidl. Optisch schauen sie ganz gut aus, wobei ich normalerweise kein Fan davon bin, süße Teilchen bei Lidl zu kaufen. Irgendwie finde ich, wenn man sich schon sowas gönnt, dann wenigstens vom Bäcker. Da aber gerade kein Bäcker in der Nähe war, haben wir eine Zimtschnecke zum Teilen mitgenommen. Erst mal schauen, ob die auch was kann. Wir haben es uns im Garten mit einem Kaffee und der Zimtschnecke gemütlich gemacht. Rainers Fazit zur geteilten Zimtschnecke:
„Jetzt wissen wir ja, dass sie schmeckt, dann können wir morgen zwei nehmen.“
Soweit kam es dann doch nicht, weil wir im Hell’s Mouth Café dann nochmal selbstgemachte entdeckt haben. Dazu später mehr. Erst mal geht es jetzt auf Erkundungstour in Cornwall …
Robben-Tour Godrevy bis Mutton Cove
Bei meinen ersten Recherchen habe ich gelesen, dass es in Cornwall viele Robbenkolonien gibt. Perfekt für einen kleinen Ausflug. Direkt bei unserem Hauptstrand startet eine Tour durch den National Trust von Godrevy. Das Wetter ist mal wieder typisch englisch: grau, windig und mit Regenschauern. Unsere kleine Tour starten wir am Parkplatz von Gwithian. Die Wellen brettern heute so richtig rein, aber ganz vorne im Weißwasser tummeln sich trotzdem ein paar Surfschüler. Auf dem Weg zur kleinen Bucht Mutton Cove, wo sich eine große Kolonie befinden soll, sehen wir schon die erste Robbe im Wasser schwimmen. Der Weg führt an den Klippen entlang und man kann ihn eigentlich als Rundweg gehen. Als wir jedoch bei den Robben ankommen, wird das Wetter immer schlechter und wir gehen den gleichen Weg zurück. Das Wetter war nicht ideal zum Fotografieren, aber ein paar Schnappschüsse gibt es dennoch. Und irgendwie hat diese mystische Stimmung auch was. 🙂
















South West Coast Path – Von Porthtowan bis Chapel Porth
Ein anderer Ausflug führt uns nach Porthtowan. Hier laufen wir einen Teil des South West Coast Path entlang bis nach Chapel Porth. Die steilen Klippen und die wilde Landschaft sind der Wahnsinn. Es ist natürlich mal wieder super windig, aber immerhin ist kein Regen in Sicht und die Sonne lässt sich sogar blicken. Als wir oben auf der Klippe von Chapel Porth ankommen, entdecke ich unten einen kleinen Parkplatz und kann nicht anders, als den Parkautomaten zu fotografieren. Es ist schon verrückt, denn gefühlt ist man mitten im Nirgendwo, aber trotzdem gibt es einen Parkautomaten. Das kann nur bedeuten, dass hier im Sommer richtig viel los ist.
Auch dieses Mal laufen wir den gleichen Weg zurück und als wir uns durch das letzte Stück mit dichtem Gebüsch kämpfen, muss ich immer wieder an das Bild mit der Schlange denken. Ich hoffe einfach, dass es ihnen aktuell zu kalt ist und keine auf die Idee kommt, meinen Weg zu kreuzen.
















Ausflug zu the Land’s End – Sennen Cove
Meine absoluten Highlights waren Sennen Cove und the Land’s End. Das Meer ist türkisblau und der Sand strahlt hell weiß in der Sonne, und eingerahmt ist das Ganze von einer steilen, rauen Küste. Die Bilder können diese atemberaubende Landschaft nicht komplett einfangen, aber man bekommt durchaus eine Idee davon. Wir haben zwar unsere Surfbretter im Auto, aber die Wellen sind wirklich extrem klein und der Wind pfeift ordentlich. Somit packen wir unsere Kameras und laufen den Küstenwanderweg zu „the Land’s End“. Wir kommen an einem Schiffswrack vorbei, das vor über 20 Jahren an der rauen See bzw. der Küste zerschellt ist. Nach den Wettererfahrungen der letzten Woche kann man sich ziemlich gut vorstellen, wie wild es zugehen kann. Der Wanderweg ist perfekt für uns, man hat einen schönen Ausblick auf das Meer und er ist nicht zu lang. Bei the Land’s End angekommen, sind wir dann auch wieder unter den Touristen angekommen, oder wie Rainer es nennen würde, „es hat hier eher die Anmutung von Disneyland“. Zuerst denke ich natürlich, er übertreibt mal wieder, aber tatsächlich gibt es ein Hotel und eine Art Ausstellung oder Erlebniswelt, wo man „Wallace & Gromit“ nachgebaut hat. Es passt halt aus unserer Sicht nicht in diese Landschaft, die auch noch „Land’s End“ genannt wird. Wir sparen uns den touristischen Teil und laufen direkt weiter an einer Art Bauernhof vorbei zur nächsten Klippe mit Aussichtspunkt. An dieser Stelle drehen wir dann auch endgültig um, genug gewandert, man muss ja nicht übertreiben. Es besteht ein klitzekleiner Rest an Hoffnung, ob wir doch noch einen Surf bekommen. Dieser wird allerdings auch ziemlich schnell zerschlagen, als wir wieder oben auf der Klippe von Sennen Cove stehen. Der Wind hat jetzt richtig zugelegt und die Wellen sind praktisch nicht mehr vorhanden. Stattdessen testen wir das Café direkt am Strand und gönnen uns eine Bowl. Die Kaffeemaschine ist leider kaputt, daher laufen wir nochmal ein kurzes Stück die Straße zurück und trinken im „Sennen Cove Café“ einen Flat White.











































Newquay – die englische Surfer-Metropole
Ein weiterer Tag ohne Wellen, aber immerhin mit Sonnenschein steht an. Wir sind schon relativ am Ende unseres Cornwall-Trips angelangt und wenn wir noch die Hochburg und Geburtsstadt des Surfens in England sehen wollen, dann ist heute genau der richtige Tag für einen Besuch in Newquay. Die Strände der kleinen Stadt sind ringsum ausgestattet mit Webcams, wo man die Surfbedingungen checken kann. Somit ist schnell klar, dass wir die Surfbretter in unserer Unterkunft lassen können. Stattdessen schnappen wir uns die Kameras und ziehen los.
Wir parken in der Nähe vom bekannten Fistral Beach und laufen von dort erst mal auf das Towan Headland. Das Meer erstrahlt im schönsten Blau, der Himmel zeigt kaum ein Wölkchen. Zwei Stand-up-Paddler nutzen das ruhige Wasser und paddeln durch die Bucht. Man könnte glatt meinen, heute ist ein schöner Sommertag. Doch der Eindruck täuscht, es ist relativ kalt und von Badewetter sind wir einige Grad entfernt … außer man ist ein waschechter Brite, dann kann es schon sein, dass man sich in den Badeanzug schmeißt und eine Abkühlung im Meer sucht. Wir bleiben lieber warm eingepackt an Land und laufen die Küste ab und etwas in die Stadt hinein. Überall gibt es Surf-Shops, Szene-Cafés und alles schreit nach Surf-Lifestyle. Irgendwie hat es etwas, aber so richtig passt dieser Ort dann doch nicht zu uns. Vielleicht müsste man wieder 20 sein, um Newquay richtig zu genießen. So laufen wir irgendwann über den Stadtstrand „Towan Beach“ wieder zurück Richtung Fistral. Während wir langsam den Strand entlang schlendern, überlegt Rainer, wie es wäre, wenn er hier leben würde:
„Wenn ich hier leben würde, wäre ich Coast Guard und würde Helikopter fliegen.“
Eine Tasse in einem der Schaufenster quittiert dann noch den aktuellen Gemütszustand, der von fehlendem Surf geprägt ist:
„Happiness comes in waves“
Und dann sind wir auch schon fast wieder am Auto angelangt, wo wir wieder einmal feststellen, dass wir zu viel für den Parkplatz bezahlt haben. So richtig haben wir das System „Parken“ noch nicht durchdrungen. Vielleicht beim nächsten Mal…























Kulinarischer Abschluss unserer Reise
Da wir weniger Zeit in Newquay verbracht hatten als geplant, haben wir auf dem Rückweg noch Zeit für einen Abstecher zum Hell’s Mouth Café. Ich hatte es irgendwann auf Google Maps entdeckt. Das kleine Café befindet sich mitten im Nirgendwo nördlich von unserem Hausstrand. Es ist die perfekte Gelegenheit, um auf der kulinarischen Bucket List den Punkt „Cream Sea“ abzustreichen. Uhrzeit, Wetter, … alles passt perfekt.
Im Vorhinein hatte ich schon gelesen, dass es zwei Arten gibt, wie man Cream Tea bzw. die Marmelade und die Cream auf dem Scone verteilt. Denn auf die cornische Art wird die Marmelade zuerst auf den warmen Scone geschmiert und dann folgt die dicke Sahne-Creme. Bisher kannte ich nur die umgekehrte Variante, wo die Marmelade oben drauf kommt. Wir verspeisen unseren Scone auf die cornische Art. Lecker war’s.





Wobei wir ein paar Tage später nochmal zum Hell’s Mouth fahren, dieses Mal sollen es aber die leckeren Zimtschnecken werden, die uns schon beim letzten Besuch angelacht haben. Die Scones waren schon sehr gut, aber die Zimtschnecken sind noch mehr nach meinem Geschmack. Nach der Kaffeepause laufen wir noch ein Stück auf dem Küstenweg entlang und sehen nochmal ein paar Robben unten in den Buchten. Man ist schon sehr weit oben, daher sind die Bilder leider nicht wirklich was geworden.




















Nachdem wir die Pasties und Cream Tea probiert hatten, fehlt nur noch eins und das ist wohl das bekannteste englische Nationalgericht „Fish & Chips“. Für mich ist es nichts, aber Rainer hatte sich schon durch sämtliche Bewertungen geschlagen und ist am Ende bei Highlanes Fish & Chips, das angeblich bei den Locals sehr beliebt ist. So gibt es für Rainer am letzten Abend, bevor wir abreisen, noch ein paar Fish & Chips, die wir (wie man das hier so macht) mit dem Auto abholen. Dann hätten wir vermutlich damit zum Strand fahren müssen, stattdessen wurde es mal wieder unser Garten. So wird der immerhin auch ein bisschen genutzt.





Damit geht unsere Cornwall-Reise zu Ende. Es war schön, mal wieder etwas Neues zu entdecken. Manches war anders als erwartet, aber sonst wäre es ja auch langweilig. Beim nächsten Mal etwas mehr Sonnenschein, ein paar mehr Wellen und die Reise wäre noch ein bisschen schöner. Alles in allem war es trotz des fehlenden Surf sehr schön. Wer weiß, vielleicht sieht man sich wieder, aber erst mal wollen wir in wärmere Gefilde…

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