Sintra ist eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Portugal. Wahrscheinlich hat so ziemlich jeder, der schon mal in Lissabon oder in der Umgebung war, Sintra besucht. Tatsächlich war ich noch nie wirklich dort. Rainer und ich hatten vor vielen Jahren, als wir das allererste Mal in Portugal waren, einen Versuch gestartet, allerdings haben wir den Ausflug relativ schnell abgebrochen, weil ich dank eines Zusammenstoßes mit einem rostigen Nagel nicht so gut laufen konnte. Hätte ich damals gewusst, dass es über zehn Jahre dauern wird, bis ich endlich an diesen Ort zurückkehre, vielleicht hätte ich die Zähne zusammengebissen und wäre zum Schloss gestapft. Damals strömten die Touristen noch nicht in solchen Massen in diesen kleinen Ort.
Es gab noch ein paar weitere „Versuche“ oder besser gesagt nicht vollendete Pläne, die Paläste von Sintra zu besuchen, aber an irgendwas ist es dann immer gescheitert. Doch dieses Mal habe ich diesen Ausflug ganz fest eingeplant. Mama und ich werden Sintra besuchen, komme was wolle. Naja, ok, etwas übertrieben, aber ich war vorbereitet und hatte mich eingelesen.
Laut zahlreichen Reiseberichten ist es sinnvoll, das Ticket online zu kaufen und möglichst früh da zu sein. Das sollte sich machen lassen. Ich kaufte einen Tag vorher unsere Tickets für zwei der Schlösser. Für den bekanntesten Palast „Palácio da Pena“ und dann haben wir uns noch für den „Palácio de Monserrate“ entschieden. Da es bekanntlich in Deutschland auch viele Schlösser und Burgen gibt, wollten wir etwas Exotischeres. Laut meinen Recherchen sind mehr als zwei Paläste an einem Tag möglich, aber nicht unbedingt zu empfehlen.
Unser Uber habe ich schon am Vorabend bestellt. Wir wurden überraschend pünktlich abgeholt. Der Fahrer kommt aus Brasilien, ist unfassbar gut gelaunt und wir haben einen riesen Spaß auf der halbstündigen Fahrt. Wieder einmal muss ich feststellen, dass alles und vor allem kulturelle Unterschiede immer eine Frage der Perspektive sind. Der Uber-Fahrer erzählt uns, wie gestresst und aggressiv die Portugiesen sind. Ich lache und sage ihm, da soll er mal nach Deutschland kommen, denn im Vergleich zu den Deutschen sind (aus meiner Perspektive) die Portugiesen die Ruhe selbst. Wir tauschen uns noch eine Weile über die verschiedenen Kulturen aus und starten gut gelaunt – trotz Regen – in unseren Wandertag. Dieser beginnt am Palácio de Monserrate.
Wir sind so früh dran, dass der Park, der den Palast umgibt, noch gar nicht auf hat. Außerdem ist gar nichts los. Weit und breit keine Menschenseele. Kurz fragen wir uns, ob wir hier wirklich richtig sind, aber dann wird doch das Tor geöffnet und wir sind mit einer anderen Familie die ersten und einzigen, die um diese Uhrzeit den Park besuchen. Wir laufen mit Regenschirm durch den Park und bestaunen die üppige Natur. Es ist friedlich ruhig und wir genießen die Stille. Auch im Palast ist fast nichts los und wir können super entspannt alles anschauen und fotografieren.




























Wieder zurück am Eingang kommen gerade ein paar Touristen mit einem Uber an. Wir fragen, ob er uns in die Altstadt von Sintra bringen kann. Der Fahrer spricht kein Englisch und ich kann mal wieder mein rudimentäres Portugiesisch auspacken. Immerhin reicht es, um zu erklären, wo wir hinwollen, und scheinbar verständlich genug, dass er uns am richtigen Ort absetzt.
So landen wir inmitten der Touristenmassen, die überall beschrieben wurden. Da wir noch etwas Zeit haben und es mal wieder regnet, suchen wir uns ein kleines Café, wo wir etwas zu Mittag essen.
Kurz überlege ich, ob wir anstatt mit dem Bus zu Fuß zum Schloss laufen sollten. Mama streikt zum ersten Mal. Im Nachhinein bin ich froh darüber. Es geht steil bergauf und zu Fuß hätte man so 1,5 – 2 Stunden gebraucht. Da hätte ich extrem schlechte Laune unterwegs bekommen. Somit quetschen wir uns mit den vielen anderen Touristen in den Bus, der uns direkt vor dem Palácio da Pena absetzt, bzw. am Eingang vom Park. Wie bereits erwähnt ist das der bekannteste Palast, der auch sämtliche Plakate und Reiseführer schmückt. Daher muss man sich für den Besuch des Palastes selbst vorher einen Slot buchen und kann nicht nach Lust und Laune durch das Gebäude streifen. Zugegeben, diese Tatsache hätte mich schon skeptisch machen müssen. Doch wie bereits oben erwähnt, wollte ich dieses Mal auf jeden Fall nach Sintra und Mama war auch begeistert von der Idee. Da wir besagten Besuchs-Zeitraum relativ spät am Nachmittag gebucht hatten, hatten wir noch massig Zeit, die wir jetzt im Park verbringen wollten. Hier geht es bergauf und bergab. Mama zerfließt mal wieder, aber sie beschwert sich nicht und läuft munter weiter. Der Park ähnelt eher einem Wald und aktuell noch mehr einem Regenwald.
Irgendwann ist es dann soweit und wir dürfen rein. Oder besser gesagt, wir dürfen uns in der Schlange anstellen mit den gefühlt 500 anderen Besuchern, die genau den gleichen Slot gebucht hatten wie wir. Spätestens jetzt frage ich mich, ob das wirklich so eine gute Idee war. Bis zu diesem Zeitpunkt fand ich das weltberühmte Sintra noch gut, aber die Massenabfertigung am Palácio da Pena verdirbt mir etwas die Laune. Nach einer gefühlten Ewigkeit bewegt sich etwas in der Warteschlange und die Meute schiebt sich Stück für Stück voran. Allerdings verteilt sich hier gar nichts. Man kann es sich ein bisschen wie an einem Samstag bei Ikea im Sommerschlussverkauf vorstellen, im Grunde wird man durch die Gänge des Palastes geschoben. Man kann weder nach vorne noch nach hinten ausweichen. Der Spaßfaktor sinkt und wir sind froh, als wir wieder draußen sind. Irgendwie schade und auch ein bisschen verrückt, denn das eigentlich Highlight war am Ende nicht der berühmte Palast, sondern der kleine versteckte unscheinbare „Palácio de Monserrate“.





















Wenn mich jemand fragen würde, welchen Tipp ich für Sintra hätte: Ich würde den Palácio da Pena nur von außen betrachten und dafür mehr Zeit bei den anderen Palästen verbringen, die im Schatten des bunten Palastes stehen. Insgesamt gibt es 9 Paläste und Herrenhäuser, da sollte für jeden was dabei sein.
Ziemlich fertig laufen wir zurück zum Ausgang und bestellen uns ein Uber, das uns wieder zurückbringt. Wobei vielleicht war nur ich total fertig. Mama kommt mir überraschend fit vor, während ich mich am liebsten schlafen legen würde, quatscht sie auf der Heimfahrt munter drauf los. Ansonsten verläuft die Fahrt unspektakulär. Der Fahrer setzt uns eine Seitenstraße von unserer Unterkunft entfernt ab und damit ist das Kapitel Sintra und Lissabon für diese Reise abgeschlossen. Morgen geht’s ans Meer und raus aufs ruhige Land. Wir freuen uns, den Trubel hinter uns zu lassen. Es ist Zeit für ein bisschen Natur.
Doch bevor wir uns dem Landleben widmen, genießen wir noch die Vorzüge der Stadt und decken uns in einer nahegelegenen Padaria und Pasteleria mit Leckereien ein.

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