Unser Surf-Trip läuft schleppend an. Die ersten Tage fegt ein Ausläufer eines Hurrikans über die englische Küste hinweg und peitscht das Meer auf. Obwohl es in Cornwall verschiedenste Ausrichtungen an Buchten gibt, ist für uns nichts zu holen.
Praa Sands & Perranuthnoe Beach – Südküste
Erst am dritten Tag nach unserer Ankunft werden wir fündig… wobei Rainer fündig wird. Für mich sehen die Wellen am Strand von Praa Sands nicht einladend aus. Sie brechen schnell und laufen weit nach vorne auf den Sand. Ich wünsche mir etwas Sanfteres zum Einstieg. Rainer probiert sein Glück und greift die ein oder andere Welle ab, aber so richtig zufrieden ist er auch nicht.











Praa Sands liegt an der Südküste Cornwalls. Die Fahrt war eigentlich kurz, aber die Straßen noch enger und unübersichtlicher. Man hatte die ganze Zeit Angst, dass gleich ein Auto um die nächste Kurve auftaucht und einen rammt. Am Ende ist alles gut gegangen und wir haben auf dem Rückweg auch eine etwas größere Hauptstraße gefunden. Doch bevor wir zurück nach Hayle gefahren sind, haben wir noch einen kurzen Zwischenstopp am Perranuthnoe Beach gemacht. Parken ist mal wieder schwierig, denn hier braucht man Bargeld, um für den privaten Parkplatz zu bezahlen. Genau das haben wir nicht, denn bisher sind wir komplett ohne ausgekommen. Wir nehmen uns vor, am nächsten Bankautomaten zumindest ein paar Pfund abzuheben für genau solche Fälle. Aufgrund der Parksituation laufen wir nur sehr kurz zum Strand und was wir sehen, gefällt mir. Leider sind wir jetzt etwas zu spät dran, weil die Flut schon bis ganz nach vorne auf die Felsen läuft, aber die Wellen brechen deutlich sanfter. Schade eigentlich.



Wir machen uns auf den Rückweg. Am späten Nachmittag gehen wir noch ein bisschen am Gwithian Towans Strand spazieren. Leider hatte ich keine Kamera dabei, denn plötzlich entdecken wir eine Robbe zwischen zwei Surfern. Immer wieder streckt sie den Kopf heraus und taucht dann wieder unter den Wellen hindurch.







St. Ives – Stimmungskiller
Am nächsten Tag studiere ich weiterhin den Surf-Forecast und checke sämtliche Webcams im Umkreis von 50 Meilen. Das Wetter ist immer noch schlecht, der Wind bläst weiterhin ordentlich und wir brauchen auf jeden Fall eine geschützte Bucht. Was wir auf der Webcam vom Stadtstrand von St. Ives sehen, macht einen vielversprechenden Eindruck. St. Ives ist bekannt für viel Tourismus, enge Gassen und eine schlechte Parkplatzsituation. Ich suche daher vorher extra einen Parkplatz nahe des Surfstrandes und checke, ob wir da mit unserem bereits bezahlten Pass parken dürfen. Das passt erst mal. Surfbretter ins Auto und los geht’s. Je näher wir der kleinen Stadt kommen, desto mehr wird klar, all die Berichte waren nicht übertrieben. Selbst an diesem Tag mit schlechtem Wetter ist es für uns unmöglich, einen Parkplatz zu finden. Wir drehen ein paar Runden, warten auch noch ein bisschen, ob jemand wegfährt, erhaschen zwischen durch einen Blick auf die Wellen, die nahezu perfekt in die Bucht laufen. Und dann passiert das, was uns noch nie in all den Jahren passiert ist. Wir müssen wieder wegfahren, weil wir einfach keinen Parkplatz finden. Die Stimmung ist am Boden. Cornwall macht es uns schwer und wir finden einfach nicht in unseren Flow.
Harlyn Bay – eigentlich ganz schön
Nächster Morgen. Wir geben nicht auf. Wieder stürze ich mich in die Recherche. Das Ergebnis führt uns nach Harlyn. Dieser Surfstrand ist extrem gut geschützt von großem Westswell. Wir checken noch die Tide und fahren dann wieder los. Dieses Mal müssen wir etwas weiter fahren, unser Ziel befindet sich nördlich von Newquay. Als wir ankommen, finden wir zwar Wellen, aber auch extremen Offshore-Wind. England hält mal wieder, was es verspricht. Die Wolken hängen tief und wir werden von einem dichten Sprühregen begleitet. Ich überlege lange, stehe auf der Klippe und beobachte die Situation. Doch inzwischen kann ich relativ gut einschätzen, welche Bedingungen eine Nummer zu groß für mich sind. Mein Bauchgefühl sendet mir klare Signale: „Das ist nichts für dich.“
Rainer probiert es, aber ist relativ schnell wieder zurück am Auto.



Da wir mal wieder ein Parkticket für 3 Stunden gelöst haben, überlegen wir, ob wir zumindest noch etwas in dem Café direkt am Strand essen sollen. Regen und Wind treiben uns dann aber doch zurück zum Auto und es geht zurück nach Hayle.
Unterwegs beschließen wir dann zumindest, die kulinarische Seite von Cornwall zu erkunden. In unserem kleinen Städtchen soll es ein Café geben, das leckere selbstgemachte Pasties anbietet. Es gibt sogar eine vegetarische und vegane Variante. Wir stellen unser Auto in die Einfahrt und laufen eingepackt in unsere Regenjacken direkt los. Angekommen am Café „Lucy Bakes“ sind wir zwar komplett durchnässt, aber werden fröhlich empfangen. Lucy hat einen starken englischen Dialekt und ich muss mich sehr anstrengen, sie zu verstehen. Wir testen die vegane Variante der Pasties und nehmen auch noch einen Kuchen mit, der fast noch fieser ist als die fettigen Teigtaschen.


México & Gwithian Towans – schwieriger als gedacht
Das Wetter bleibt bescheiden. Das Meer ist aufgepeitscht. Wir spielen nach dem Frühstück erst mal eine Runde Karten. Das kam auch noch nie vor. Gegen frühen Nachmittag klart es etwas auf und wir machen uns auf den Weg zum nächstgelegenen Surfstrand in der St. Ives Bay. Der Surfbreak nennt sich México Towans und liegt etwas mehr in Richtung der Flussmündung. Hier sind wir vor ein paar Tagen spazieren gegangen und hatten diesen Parkplatz hinter den Dünen am Sandy Acres Beach Cafe entdeckt. Wie auch bei den meisten anderen Stränden kann man mit einer App bezahlen. Allerdings ist man etwas mehr auf Surfer eingestellt und ein Schild weist darauf hin, dass man 15 min Zeit hat, um die Wellen zu checken, ab dann muss man für das Parken bezahlen. Die Wellen schauen für uns ganz ok aus und wir beeilen uns, damit wir schnell ins Wasser kommen. Dort waren wir dann fast alleine im Lineup. Die Landschaft ist super schön. Allerdings waren die Bedingungen immer noch herausfordernd. In meinem Surf-Tagebuch habe ich festgehalten: „Schwierig, nur ein paar fette Schieber. Viel Wind.“ Bilder habe ich keine von diesem kleinen Ausflug.
Am darauf folgenden Tag können wir endlich mal im Gwithian Towans surfen gehen. Hier werden wir die meiste Zeit bis zum Ende unseres Urlaubs ins Wasser gehen. Wir erleben alles von super windig bis klein und sehr clean. Außerdem ist es deutlich voller, als wir erwartet hätten. Insgesamt war meine Ausbeute an Wellen durchaus bescheiden, aber immerhin kam an manchen Tagen eine Robbe vorbei und ist mit uns gesurft. Das war auf jeden Fall ein besonderer Moment.
Einträge aus meinem Surf-Tagebuch zu Gwithian:
- 1. Tag: Windy. Ein paar Wellen. Aber schwierig für mich. Immerhin 2,5h bis alles weh tat.
- 2. Tag: In and out. 1 Weisswasser Schieber
- 3. Tag: Surfen – Gwithian 2x. Früh Session vor dem Frühstück: ein paar Wellen. Sonniges Wetter. Kaltes Wasser. Nachmittag: Wellen ein bisschen besser. Eine gute grüne Welle. Gut angefangen, dann wurde es wieder schwieriger. Super voll
- 4. Tag: Kleine Wellen. Sonnig. Klares Wasser. Kalt. Ein paar abgefischt. Chat mit einem Surfer / Longboarder aus Wales
- 5. Tag / Letzter Tag vor Abreise: 2h, nur 1 Welle













Perranuthnoe – Morgensurf unter dem 🌈
Ab dem Tag, wo wir am Mexico Towans Beach surfen waren, konnten wir zumindest bis auf 2 Tage an jedem anderen Tag surfen gehen. Die Ausbeute beläuft sich damit auf etwas mehr als 50% Surftage. Nicht ideal, aber es geht auch schlechter. Einmal haben wir uns leider komplett verschätzt, da dachten wir, wir surfen lieber mit der auflaufenden Tide und sind dann leider am Ende leer ausgegangen, weil mit der High Tide auch ordentlich Wind und frischer Swell ankam. Das war, glaube ich, der Tag, den ich mit „in and out“ ins Surf-Tagebuch eingetragen habe.
Abgesehen von den Surfs am Gwithian Beach waren wir nur noch einmal am Perranuthnoe. Der Swell war zwischendurch abgeflaut und laut der Vorhersage war für diesen Tag die einzige Möglichkeit, früh ins Wasser an der Südküste zu gehen. Genau so haben wir es dann auch gemacht. Noch vor dem Frühstück haben wir unsere Sachen zusammengepackt und ab ging’s. Die Wellen sahen ok aus. Ein kleines bisschen zu klein, aber dafür sehr clean. Doch bevor wir ins Wasser konnten, hatten wir wieder einmal die Problematik mit dem Bezahlen zu bewältigen. Wir hatten zwar inzwischen Bargeld, aber leider nur Scheine. So standen wir da und ich hab verzweifelt versucht, irgendwo Geld in Münzen zu wechseln. Zwischendurch hab ich dann schon angefangen, mich umzuziehen und überlegt, ob wir halt dann leider nicht zu den „honest people“ gehören und eben nichts in die honest box werfen. Nochmal wollten wir nicht ohne Surf nach Hause fahren. Am Ende haben wir es noch geschafft. Die letzte Frau, die ich ansprach, war dann tatsächlich auch die Besitzerin und konnte mir auf meinen Schein rausgeben.
Endlich im Wasser mussten wir zwar feststellen, dass die Wellen nicht so besonders gut waren, aber immerhin sind wir unter einem Regenbogen gesurft. Hier noch mein Surf-Tagebucheintrag:
- Surf Perranuthnoe – Regenbogen 🌈 sehr wenig. Ein paar Wellen. Dafür clean.
Fazit
Die Ausbeute an Surf war für uns nicht gerade die beste. Vielleicht hatten wir auch einfach Pech. Dafür konnten wir mit Robben und unter einem Regenbogen surfen. Beim Thema Surf-Etikette kann Cornwall allerdings punkten. Zumindest nach meiner Erfahrung. Auch wenn es relativ voll war an manchen Tagen, ist die Stimmung im Line-Up ziemlich gut gewesen. Ich habe nur einmal mitbekommen, wie einer ein bisschen rum gepöbelt hat und eine sarkastische Bemerkung beim raus Paddeln für alle deutlich hörbar zum Besten gab: „Lots of humans out here“. Er wurde allerdings von allen ignoriert und keiner ist auch nur ansatzweise darauf eingegangen. Insgesamt sind die allermeisten ziemlich offen, höflich und freundlich. Auch der Longboarder, mit dem ich an einem der Tage ein bisschen ins Gespräch gekommen bin, hat mir die ein oder andere Welle überlassen und mich angefeuert beim Anpaddeln.

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