Die Anreise – Sonntagsbraten. Regen. Und jede Menge Autos.
Die Taschen sind gepackt, die Surfbretter ordentlich verpackt und wir machen uns mal wieder auf zum Flughafen. Es ist noch relativ früh, denn uns steht tatsächlich ein Tagestrip bevor. Der Flug ist unspektakulär und das ist auch gut so. Wir sind etwas aufgeregt, ob wir es gut durch den dichten Verkehr in London schaffen. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: der Verkehr in Cornwall ist nicht viel besser.
Wir landen in London, holen unseren Mietwagen ab, der dann doch etwas kleiner als erwartet ist. Somit müssen wir wieder einmal unsere Bretter komplett auspacken, um überhaupt alles verstauen zu können. Wo ist nur der gute alte Kombi geblieben? Als wir alles gut verstaut hatten, geht es dann endlich los. Rainer fährt und ich navigiere. Der Linksverkehr ist kein großes Problem für uns, aber die Masse an Autos ist – positiv ausgedrückt – beeindruckend. Immerhin fährt man hier nicht schneller als 120 kmh. Das macht es zumindest etwas erträglicher. Nach einer guten Stunde ist der Verkehr zwar immer noch stabil zu viel, aber immerhin gewöhnen wir uns langsam an die Straßenführung. Nach einer weiteren Stunde kommt der Hunger und ich baue einen kleinen Zwischenstopp in unsere Route ein. Ich habe extra vorher ein paar Restaurants rausgesucht, die sonntags um diese Zeit geöffnet haben und vegetarisches Essen anbieten. So fahren wir einen kleinen Umweg über Landstraßen zu einem Italiener. Auf dem Weg dorthin gibt es plötzlich einen lauten Knall. Aus dem Augenwinkel meine ich einen Stein auf die Scheibe zufliegen gesehen zu haben. Im ersten Moment bin ich sicher, dass es irgendwo einen Riss in der Windschutzscheibe geben muss. Doch wir können nichts entdecken. Vielleicht hat er uns mehr auf dem Dach getroffen. Es hat so laut geknallt, dass ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, dass nichts kaputt gegangen ist.
Endlich beim Italiener angekommen, untersuchen wir das Auto und finden nichts. Wir atmen durch und freuen uns auf Pizza bzw. Pasta. Ich habe mir schon die ganze Fahrt über ausgemalt, wie ich mir genüsslich ein paar Gnocchi zu Gemüte führe. Das Restaurant hat eine große Glasfront und Rainer macht noch den Kommentar, dass die ja ganz schön viel Fleisch auf dem Teller haben für einen Italiener, wo man Pasta und Pizza erwartet. Wir gehen rein und ich frage nach einem Tisch für zwei. Der Kellner schaut uns schon etwas skeptisch an und fragt dann, ob wir eine Reservierung hätten. Als ich das verneine, fragt er, ob wir wüssten, dass heute „Sunday Roast“ ist, was so viel bedeutet wie heute leider keine Pizza und Pasta, dafür jede Menge Fleisch. Wir schauen uns dennoch kurz die Karte an, beschließen dann allerdings weiterzuziehen. Fairerweise muss erwähnt werden, dass es auch eine vegetarische Variante gab, aber halt keine Gnocchi.
Der kleine Supermarkt gegenüber lacht uns auch nicht gerade an. Weiter geht die Fahrt. Dieser Umweg hat sich nicht gelohnt. Steinschlag-Schocker und Fleischberge – genau danach haben wir nicht gesucht.
Die Autofahrt bleibt weiterhin anstrengend, irgendwann kommt auch noch Regen hinzu. Nicht dieser Nieselregen, den man oft aus England kennt, sondern richtiger Platzregen. Es schüttet immer wieder ordentlich. Unsere gemütliche Fahrt mit geplanten Essens- und Kaffeepausen verwandelte sich in eine sechsstündige Autofahrt, unterbrochen nur von einem kurzen Abstecher bei Lidl und einer noch kürzeren Kaffeepause an einer Raststätte. Immerhin konnten wir bei Lidl Gnocchi ergattern, sodass wir uns nach unserer Ankunft in Hayle selbst noch welche kochen können.

Die Unterkunft ist dafür wirklich top. Wir wohnen in einem Haus mit großem Garten. Die Küche ist riesig und hat sogar eine Spülmaschine und Induktionsherd. Vom riesigen Badezimmer und der Fußbodenheizung will ich gar nicht erst anfangen, wo mir aktuell in München wieder die Zehen abfrieren, wenn ich keine dicken Hausschuhe anziehe.
Wir drehen noch eine kleine Runde durch den Ort. Es dämmert bereits und die Straßen sind relativ leer. Dieser erste Eindruck täuscht allerdings. An diesem Abend gehen wir früh schlafen. Die Anreise war deutlich anstrengender als gedacht.
Eine Ode an das Porridge und ein neuer Einwohner in Hayle
Am nächsten Morgen machen wir unser erstes Porridge mit frischen Früchten. Zur Ehrung des besten Urlaubs-Sportler-Frühstücks in dessen Geburtsland habe ich eine kleine Porridge-Fotostrecke erstellt.











Frisch gestärkt stellt sich Rainer der Herausforderung, ein Rover Parkticket für uns zu kaufen. Ich hatte mich vorher ein bisschen informiert und hier kostet eigentlich fast jeder Parkplatz etwas. Für die erste Woche haben wir beschlossen, ein Ticket zu kaufen, das auf einigen Parkplätzen gültig ist, unter anderem an unserem nächstgelegenen Surfstrand. Somit klang das zunächst nach einem guten Plan. Das 7-Tage-Ticket kostet stolze 72 EUR. Rainer kämpft sich durch die Registrierung und hat sich am Ende versehentlich als Bewohner in Hayle angemeldet. Wir hoffen, die Vermieter bekommen keine Nachricht und haben jetzt Angst, dass wir nie wieder ausziehen. Die Stimmung droht zum ersten Mal zu kippen. Rainer flippt fast aus, schafft es dann aber doch noch, sich auf der richtigen Seite zu registrieren und für uns ein Parkticket zu erwerben. Positiv betrachtet, es ist ganz schön einfach, sich in Cornwall als Anwohner digital zu registrieren. Vielleicht ist es ja doch gut, dass uns das in Deutschland schwerer gemacht wird. Natürlich hat Rainer noch eine E-Mail an die angegebene Behörde geschickt und um eine Löschung seines Accounts gebeten.
Erste Erkundungen
Nachdem wir vermeintlich für sieben Tage parken ausgerüstet sind, fahren wir erst mal direkt zum Strand… leider nicht mit Surfbrettern, sondern mit Kameras. Das mit dem Surfen haben wir für heute schon abgehakt, der angekündigte Sturm ist schon angekommen und peitscht das Meer auf.
Bei unserem ersten Versuch, die Klippen entlangzulaufen, kommen wir nicht weit. Die dunklen Wolken kommen schnell näher und schon schüttet es aus allen Kübeln. Gut, man könnte auch sagen, zum Glück waren wir noch nicht weit gekommen. Schnell retten wir uns ins Auto und warten, bis der Wind den Regen weggeblasen hat. 10-15 Minuten später starten wir einen neuen Versuch. Es bildet sich ein Regenbogen und wir haben ein gutes Zeitfenster erwischt. Der starke Wind nervt zwar etwas, aber ansonsten ist es richtig schön hier. Die Outdoor-Schuhe haben sich jetzt schon gelohnt und werden sich auch in den folgenden Tagen noch als wertvolles Gepäckstück erweisen.













Als nächstes wollen wir zur Carbis Bay. Wer weiß, vielleicht kann man dort ein bisschen surfen. Diese Bucht ist super geschützt vor großem Swell und die Klippen könnten auch den Wind etwas blocken. Dort angekommen merken wir zum ersten Mal, wie zugebaut die ganzen Strände sind. Die Straßen sind extrem eng, hügelig und Parkplätze direkt am Strand gibt es relativ wenig. Als Fußgänger oder Badegast wäre das vollkommen ok, aber als Surfer ist es doch relativ unpraktisch, wenn man mit seinem Surfbrett erst mal 10 bis 15 Minuten die Straße entlang hoch und runter laufen muss. Das wird uns hier noch öfter begegnen. Wir sehen trotzdem einen Bodyboarder im Wasser. Allerdings gibt es kaum Wellen und der Strand macht auch nicht den Eindruck, als wäre es ein besonders guter Surfstrand.
Als wir unten am Wasser ankommen, dauert es nicht lange und wir kommen in den nächsten Regen. Zusammen mit ein paar anderen Touristen oder Fußgängern, man weiß es nicht, retten wir uns unter einem Pavillon. Danach haben wir genug gesehen und fahren zurück zur Unterkunft.





Nachdem wir uns ausgeruht hatten und der Regen sich für heute verzogen hatte, machen wir uns nochmal auf den Weg. Diesmal komplett zu Fuß. Wir nehmen die Kamera und laufen einen Rundweg über die Klippen bis zu einer Flussmündung und dann wieder zurück zu unserem Haus. Der erste Teil des Weges bis zu den Klippen ist ok, dann kommt der Coastal Path, der direkt auf den Klippen entlang führt. Wenn man das Schild ignoriert, das vor Schlangen warnt, ist es hier auch sehr schön und entspannt. Das Licht ist auch wunderschön und so läuft es für uns Wandermuffel richtig gut bis wir von der Flussmündung den Rückweg antreten. Ich hatte ja schon erwähnt, dass die Straßen eher eng sind. Gehwege sind auch ein rares Gut und auf diesem restlichen Teil der Strecke nicht mehr vorhanden. So stapfen wir schon bald genervt neben dem Fahrbahnrand im Feld. Die Laune sinkt und der Rückweg ist extrem nervig bis man endlich wieder im Zentrum von Hayle angekommen ist, wo man zumindest auf Gehwegen laufen kann. So sind wir froh, als wir wieder zurück sind in unserer Unterkunft. Für heute haben wir genug gesehen.















Fazit des Tages:
Cornwall ist anstrengend schön.

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