Die Erkundungstour geht weiter. Heute wollen wir uns die Küste nördlich von Peniche anschauen. Wie schon am Tag zuvor fahren wir über die Autobahn erst mal den direkten Weg bis nach Paredes da Vitória. Ich liebe Autobahnen in Portugal. Es ist so viel entspannter zu fahren, wenn niemand mit 200 kmh an einem vorbei rast und die Straßen sind generell nicht so überfüllt wie in Deutschland. 

Natürlich bin ich auch hier nicht zum ersten Mal. Vor vielen Jahren waren Rainer und ich schon mal in dieser Gegend. Viel hat sich nicht verändert, um nicht zu sagen gar nichts. Wir halten am nördlichen Ende des Strandes und laufen oberhalb der Klippen auf einem Holzpfad entlang. Könnte sein, dass es den damals noch nicht gab. Mama kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus, dabei kommt das Beste erst noch. Aber klar, das Grün, mit dem schönen blauen wilden Atlantik und dazu die Steilklippen sind einfach traumhaft. 

Von Paredes fahren wir nur ein kurzes Stück weiter zum Vale Furado. Wir hatten damals in dieser Ecke unsere Unterkunft und unsere Vermieter haben uns den Ort empfohlen. Noch schöner ist es hier im Abendlicht. Sie nannten ihn den „Grand Canyon“, weil die Klippen im Abendlicht so schön rot leuchten. Das Licht ist nicht das beste zum Fotografieren, aber Mama ist trotzdem beeindruckt. Wir müssen einen relativ steilen Weg nach unten laufen. Ganz am Ende ist dann noch die Treppe kaputt, aber Mama zieht durch und hangelt sich nach unten. Nur über den kleinen Bach will sie nicht drüber springen. Alles hat wohl seine Grenzen. Wir schauen uns noch etwas am Strand um und genießen die wilde Landschaft. Am Anfang sind wir komplett alleine, irgendwann kommt noch ein deutsches Paar vorbei. Die Frau ist nicht so mutig wie Mama und bleibt lieber oberhalb des Weges stehen. Sie hat Angst, dass sie nicht mehr hochkommt, wenn sie erst mal unten ist. 

Von hier aus fahren wir weiter nach Nazaré. Vermutlich muss man diesen ursprünglich verschlafenen Fischerort nicht mehr vorstellen. Vor vielen Jahren haben Big Wave Surfer Nazaré und seine einzigartige Riesenwelle entdeckt. Seitdem ist der Ort zu einer Touristenattraktion geworden, nicht nur bei Surfern. 

Weil die Infrastruktur aber gar nicht auf so viele Besucher ausgelegt ist, muss man sich trotzdem weiterhin durch Gassen schlängeln und so brauchen wir bestimmt drei Anläufe, bis wir endlich den Parkplatz erreichen. Google Maps weiß nämlich noch nichts von den Absperrungen, die errichtet wurden, um die kleine Stadt oberhalb der berühmten Klippe nicht komplett mit Autos zu verstopfen. Irgendwann haben wir es dann doch geschafft und wir treten den Fußmarsch an, der zum Leuchtturm und der berühmten Welle führt. 

Tatsächlich hebt sich heute das Wasser sogar. Wir entdecken einen Jetski im Wasser, der jemanden hinten dran hängen hat. Wir sind soweit weg, dass ich kurz die Hoffnung habe, wir könnten jemanden surfen sehen. Doch dann stellt sich heraus, dass sie wohl nur üben. Der vermeintliche Surfer hat kein Brett dabei. Die weltberühmte Welle bricht ziemlich selten. Es braucht extrem viel Swell und ganz besondere Bedingungen, damit man das Schauspiel, das man von YouTube oder aus dem Fernsehen kennt, live sehen kann. 

Nach dem kleinen Fußmarsch sind wir hungrig und ich suche uns ein nettes Hipster-Café raus. Heute gibt es eine Quinoa Bowl in der Sonne. So lässt es sich leben. 

Es geht weiter die Küstenlandstraße entlang. Doch bevor wir zurück fahren nach Consolação, machen wir noch einen kleinen Abstecher. Am Miradouro da Foz do Arelho fahren wir raus und laufen den Holzsteg auf den Klippen entlang. Dieses Mal ist es auch für mich ein neuer Ort. Es ist extrem windig, aber es passt irgendwie zum tobenden Atlantik und der rauen Landschaft. 

So langsam erreicht uns ein Nachmittags-Tief. Also nicht das Wetter, sondern wir sind fertig für heute. Wir kaufen noch kurz was fürs Abendessen ein, dann testen wir die Pasteleria bei uns im Ort und machen es uns mit einem Kaffee und Pasteis de Nata auf der Terrasse gemütlich. 

Am nächsten Tag schlafen wir aus und beschließen, nach all den Ausflügen unsere Zeit in Portugal entspannt ausklingen zu lassen. Wieder einmal haben wir Glück. Heute beginnt der Surf-Contest der WSL. Laut Google Maps können wir zu Fuß in ca. 45 Minuten am Strand entlang zur Veranstaltung laufen. Consolação befindet sich genau am anderen Ende des Strandes. Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen zusammen und laufen los. Wir kommen noch an einer Surfschule vorbei und ich entdecke die junge Irin, die wir zwei Tage zuvor in Ericeira im Café kennengelernt hatten. Die Welt fühlt sich mal wieder klein an.

Die Sonne kommt raus und ganz schnell wird es wärmer. Mama zerfließt während wir weiter Schritt für Schritt durch den tiefen Sand stapfen. 45 Minuten im Sand laufen ist halt nicht das Gleiche wie auf einem Gehweg. Wobei die geteerten Gehwege in Lissabon auch nicht viel besser waren, da ging es dafür halt dann hoch und runter. 😀 

Wir kommen genau zur richtigen Zeit an. Der Heat mit dem aktuell Weltranglisten-Ersten beginnt gerade. Die Wellen sind auch richtig gut. Also machen wir es uns im Sand gemütlich, fotografieren, staunen und genießen die Frühlingssonne. Nach ein paar Heats treten wir den Rückweg an… nochmal 45 Minuten durch schönen weichen Sand.

Wir gehen ein letztes Mal in dem Restaurant direkt am Meer essen. Als wir reinkommen, fragt der Kellner „Dois?“, was ungefähr so ausgesprochen wird: „doisch“. Woraufhin Mama antwortet: „Ja, deutsch“. Ich breche fast zusammen vor Lachen. Aber dann kommt mir, dass es ja in vielen an Deutschland angrenzenden oder nahen Urlaubsländern tatsächlich recht häufig vorkommt, dass die Kellner deutsch sprechen und einen fragen, ob man eine deutsche Karte möchte. Aber in diesem verschlafenen portugiesischen Nest weit weg von daheim, wo ich noch nie einen Kellner habe Deutsch sprechen hören, war es einfach zu absurd für mich. 

Der Kellner hat ziemlich sicher nicht verstanden, warum ich so gelacht habe und dachte evtl. nur, dass Mama einen komischen Akzent hat und ihm den „Tisch für ZWEI“ bestätigt hat. 😀 Denn „dois“ heißt einfach nur „zwei“. 

Mama gönnt sich nochmal einen leckeren frischen Fisch und ich gebe mich mit der vegetarischen Alternative zufrieden. Beim Wein hat sie sich etwas verschätzt und ich frage mich, ob sie den halben Liter tatsächlich schafft und falls ja mit welchen Nebenwirkungen. Sie hat es nicht geschafft… 😀 … und ich war auch nicht willig zu helfen. 

Zum Abschied gibt es nochmal Pastéis de Nata und so geht unser Portugal-Trip zu Ende. Morgen früh werden wir die Heimreise antreten. Dieses Mal sitzen wir am richtigen Gate und kommen nach einer Woche mit vielen Bildern und schönen Erinnerungen im Gepäck wieder in München an. 

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