Consolação
Nach drei Tagen Sightseeing sind wir bereit für ein paar entspannte Tage am Meer. Wir lassen uns von einem Uber zum Flughafen fahren. Dort holen wir den Mietwagen ab. Es gibt eine klare Rollenverteilung. Ich fahre, Mama und Google Maps sind für die Navigation zuständig. Doch der Endgegner, der uns allerdings direkt am Anfang begegnen wird, ist der fünfspurige Kreisverkehr. Wenn wir den geschafft haben, sind wir zwar erst 5 Minuten Auto gefahren und haben noch eine Stunde vor uns, aber dann ist eigentlich das Schlimmste geschafft. So die Annahme. In der Realität sah es dann wie folgt aus: Wir kommen sehr gut durch den gefürchteten Kreisverkehr, aber verfahren uns dann direkt an der nächsten unscheinbaren Ampel mit Kreuzung. Alles halb so wild, wir sind schnell wieder auf dem richtigen Weg. Allerdings hat Mama den Vorfall zum Anlass genommen, ihren Job als Navigator jetzt überzuerfüllen und kommentiert jeden noch so kleinen Spurwechsel.
Ich stelle fest, wir müssen uns erst noch einspielen, was die richtige Dosis Navigationshilfe angeht, und merke an, dass es jetzt doch etwas zu viel des Guten ist. Mama nimmt‘s gelassen, schaltet ein paar Gänge zurück und überlässt Google Maps nun wieder die Hauptbühne.
Als wir an der Wohnung ankommen, regnet es. Der Vermieter begrüßt uns persönlich und zeigt uns die Wohnung. Wir sind begeistert. Und José, unser extrem sympathischer Vermieter, freut sich auch, dass wir uns freuen. Er hat sogar versucht, die Wohnung für uns einzuheizen. Leider liegt die Betonung auf „versucht“, weil es wie in vielen portugiesischen Wohnungen keine richtige Heizung gibt. Diese mobilen elektrischen Teile schaffen maximal, ein Zimmer halbwegs warm zu halten, während der Rest wieder runterkühlt. Naja, Heizung hin oder her, wir fanden es super in der Wohnung.
Es ist bereits Nachmittag, daher erkunden wir nur noch ein bisschen die nähere Umgebung.
Am Abend gehen wir in einem portugiesischen Restaurant um die Ecke essen. Es liegt direkt am Meer und wir können den tobenden Wellen zuschauen, während Mama endlich mal Fisch bzw. Oktopus essen kann. Die vegetarische Auswahl ist begrenzt, aber die Atmosphäre, die Lage und die lustigen Kellner gleichen es aus.
Als unser Vermieter wenig später mit einer Gruppe auch in dem Restaurant auftaucht, wissen wir, dass wir hier richtig sind. Das Essen ist meistens gut, wo auch die Einheimischen zum Essen gehen.



Ein paar Eindrücke von Consolação:










Supertubos
Am nächsten Tag will ich Mama die Küste nördlich von Lissabon zeigen. Was sie nicht weiß, wir sind hier im absoluten Surf-Mekka von Portugal gelandet. Peniche ist einer der bekanntesten Surfer-Orte und wie es der Zufall so will, findet am kommenden Wochenende ein Contest der World Surf League statt. Da treten die besten Surfer der Welt gegeneinander an. Zum Zufall gesellt sich dann auch noch etwas Glück, denn die Wellen sind für heute und die nächsten Tage richtig gut vorhergesagt… also für Profi-Surfer.
So kommt es, dass unser erster Stopp der Surfspot Supertubos ist. Es ist schon alles für den Contest vorbereitet. Und ich kann es nicht fassen, als wir auf den Parkplatz einkehren, sehe ich einen Surf-Profi nach dem anderen. Sally Fitzgibbons kommt mir im Auto entgegen. Caity Simmers kommt gerade an. Teresa Bonvalot und Caroline Marks machen sich bereit für ihren Surf. Mama wundert sich, dass ich alle beim Namen kenne. 😀 Aber ich schaue ja tatsächlich fast jeden Contest im Live-Stream. Ich weiß nicht mehr genau, seit wann, aber irgendwann bin ich darauf hängen geblieben. Ich glaube inzwischen könnte ich mehr Pro-Surfer beim Namen nennen als Fußballer. Wobei mich Fußball noch nie interessiert hat.
Wir schauen den Surfern eine Weile zu, wie sie mit den Wassermassen kämpfen und die steilen Wände entlang schießen. Dann machen wir uns auf den Weg nach Ericeira.















Ericeira
Der lustige brasilianische Uber-Fahrer hatte uns auf dem Weg nach Sintra richtig vorgeschwärmt von Ericeira. Er meinte, es sei sein Lieblingsort in Portugal. Das kann ich total verstehen. Der kleine Küstenort hat eine schöne Mischung aus traditionellen typisch portugiesischen Häusern, kleinen Gassen, aber dann mischt sich etwas Modernes in das Bild. Es gibt sehr gute Restaurants, Cafés und natürlich ist man auch hier direkt am Meer.
Ich war schon ein paar Mal in Ericeira, aber ich habe hier noch nie so große Wellen gesehen. Sehr weit draußen entdecken wir einen Surfer und ein Zweiter macht sich auf den Weg. Die Bedingungen sind nur etwas für sehr erfahrene oder lebensmüde Surfer. Mama fragt mich, ob ich auch surfen will. Woraufhin ich sie frage, ob sie gerne alleine nach Hause fliegen möchte. Die Wucht der Wellen und die Größe unterschätzt man gerne mal, wenn man 50 – 100 m entfernt auf einer Klippe steht.


















Wir schlendern durch die Gassen und am Meer entlang. Zum Mittagessen gehen wir ins „GIG“. Es ist mal wieder Zeit für ein Hipster-Café. Leider habe ich kein Bild vom Essen gemacht, aber es war extrem lecker. Vor einigen Jahren war ich hier mit Rainer an meinem Geburtstag zum Frühstück. (Bilder siehe hier) Seitdem habe ich davon geträumt, nochmal herzukommen. Eigentlich zum Frühstück, aber das hat zeitlich nicht ganz reingepasst. Das Mittagessen war aber auch sehr lecker.
Während wir auf unser Essen warten, kommen wir mit unserer Tischnachbarin ins Gespräch. Eine junge Irin, die hier gerade ihren „Sommer-Surf-Urlaub“ verbringt. Gut, wenn man aus Irland kommt, fühlen sich 18 Grad und 15 Grad Wassertemperatur vielleicht wie Hochsommer an. Sie ist auf jeden Fall ziemlich hungrig, weil sie schon eine Surfstunde hinter sich hat und genauso wie wir begeistert vom Essen. Nebenbei versucht sie, Mama fürs Surfen zu begeistern. Als diese meint, sie wäre zu alt dafür, wendet die Irin ein, dass sie neulich erst auf Bali eine 80-jährige Surfanfängerin kennengelernt hat. Mama lacht nur.
Auf dem Rückweg zum Auto machen wir noch an der besten Pasteleria von ganz Portugal Halt. Ok, ich habe inzwischen noch ein paar andere sehr gute entdeckt, aber mit diesen Worten wurde sie mir vor über 15 Jahren vorgestellt. Seitdem war ich immer mal wieder da und es schmeckt alles immer noch genauso gut wie damals… nicht nur mir 😉


An der Küste entlang fahren wir mit ein paar Zwischenstopps zurück nach Consolação. Als erstes halten wir bei Ribeira d’Ilhas. Etwas oberhalb von diesem Strand haben Rainer und ich unseren ersten gemeinsamen Portugal Surf-Urlaub verbracht. Damals haben wir in einer Mühle übernachtet und obwohl ich Portugal mochte, war mir nicht klar, dass ich so viele Male zurückkehren würde und viele Jahre später mit meiner Mama an diesem Strand stehen werde.





Wir tuckern weiter die Landstraße entlang und legen noch zwei oder drei kleine Zwischenstopps an Aussichtspunkten ein.






So geht ein weiterer Tag in Portugal zu Ende. Am Abend machen wir es uns noch auf der Couch gemütlich und es dauert nicht lange, da höre ich auch schon ein leises Schnarchen neben mir.

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